graph3

Portugal: 26 Firmenbankrotte pro Tag – Anstieg von 51,5% in Q1

In Portugal kommt es nach Angaben von Coface, einer Firma im Sektor des Forderungsmanagements, seit Beginn dieses Jahres zu durchschnittlich 26 Unternehmensinsolvenzen pro Tag. Die Firmenbankrotte befinden sich in einem steilen Aufwärtstrend, der im ersten Quartal um 51,5% im Vergleich mit dem Vorquartal zulegte. Ähnlich sieht die Lage im Immobiliensektor aus, in dem täglich fast dieselbe Anzahl von Objekten an die Banken zurück fällt. Hauptgrund ist, dass private Hausbesitzer und Baufirmen aufgrund der schlechten Wirtschaftslage zahlungsausfällig auf ihre ehemals aufgenommenen Kredite werden.

Portugal befindet sich in einer vergleichbaren Negativspirale wie Griechenland

Portugals Banken blicken einer riesigen Kreditausfallwelle in verschiedenen Sektoren der nationalen Wirtschaft entgegen. Laut des weltweit aktiven Forderungsunternehmens Coface spielt sich vor allem unter den portugiesischen Kleinunternehmen ein Drama ab, das seit Beginn dieses Jahres zu durchschnittlich 26 Firmeninsolvenzen pro Tag geführt hat. Im Vergleich mit dem vierten Quartal 2011 kletterten die Firmenbankrotte im ersten Quartal dieses Jahres um stattliche 51,5%. Nach Angaben von Vieira Lopes, Präsident der portugiesischen Handelskammer, gegenüber der Finanzzeitung Diario Economico ist ein Ende dieser Entwicklung nicht in Sicht.

Als einer der Hauptgründe für den zu beobachtenden Überlebenskampf in Portugals Unternehmenssektor werden immer wieder die durch die Regierung beschlossenen Sparkürzungen angeführt. Allerdings spielt auch das Verschuldungsniveau des privatwirtschaftlichen Sektors eine ausschlaggebende Rolle. Im Angesicht einer rapide sinkenden Nachfrage nach Gütern jedweder Art, geraten vor allem viele Kleinunternehmen in die sich unaufhaltsam drehende Insolvenzspirale. Viele von ihnen sind nicht mehr dazu in der Lage, ihre ehemals aufgenommenen Darlehen bei den Kredit gebenden Banken zurück zu bezahlen.

Einen weiteren Sektor, den es laut Coface seit Jahresbeginn ebenfalls äußerst herb erwischt hat, ist die portugiesische Hotel- und Restaurantwirtschaft. Hier hat insbesondere die drastische Erhöhung der Mehrwertsteuer durch die Regierung dazu beigetragen, den heimischen Konsum einbrechen zu lassen. Im ersten Quartal dieses Jahres kletterte die Rate der Insolvenzen im Restaurantsektor im Vergleich mit dem Vorquartal um satte 143%. Laut Meinung von Handelskammer-Präsident Lopes reflektierten die offiziell ausgewiesenen Insolvenzen jedoch nicht einmal die tatsächliche Lage, die noch weitaus schlimmer sei.

Denn es gäbe in Portugal eine große Anzahl von Kleinunternehmern, die ihre Geschäftsaktivitäten ohne die Einbeziehung von Gerichten aufgäben. Die Anzahl dieser stillen Schließungen läge geschätzt bei einigen hundert pro Monat. Eine Entwicklung, die momentan ganz nach Art von Griechenland verläuft.